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Das Nebelthau-Gymnasium bei der Pappbootregatta im Vegesacker Hafen

21.05.2014

Text aus der Norddeutschen Zeitung, Montag, 19. Mai

VON VOLKER KÖLLING

Die Pappbootregatta des Vereins Maritime Tradition Vegesack (MTV) Nautilus hat den Vegesacker Hafen am Sonnabend in eine Freiluftarena mit 3000 Besuchern verwandelt. Das Spektakel auf dem Wasser und das Irish Folk Festival direkt neben dem Haven Höövt haben sich dabei ergänzt. Bis in den frühen Sonntagabend verbreiteten die Barden mit der Musik von der grünen Insel Public-Pub-Stimmung.

Vegesack. Dass am Ende die Lehrlinge der Lürssen-Werft den Wanderpreis für das schnellste Pappboot einsammelten, erwies sich als Ergebnis professioneller Vorbereitung: „Wir haben ein Aluboot in gleicher Form zum Trainieren gebaut, verriet Azubi-Sprecher Steven Kleinecke. Für den Bau des tarngrünen Krokodil-Kajaks namens „Azubigator“ wählten die Lürssen-Jungs 30-Millimeter-Wabenpappe, was einen äußerst robusten Bootskörper bildete.

Platz zwei ging an die knallrote „Spant 13“ der Ausbildungsabteilung von Abeking & Rasmussen. Ein schöner Erfolg angesichts der Tatsache, dass das A&R-Boot im Vorjahr abgesoffen war. Ausbilder Joachim Dobroschke hatte diesmal auch bei der Auswahl der zwei Paddler auf ähnliche Tugenden wie Bundestrainer Jogi Löw geguckt: „Wir haben da natürlich auf die Kraft und Koordination geachtet und wer sich am Besten anstellt. Und mit ein bisschen Elan soll man natürlich auch an die Sache herangehen.“ Eigentlich hatten die beiden Werftcrews gespannt auf die im Vorjahr erfolgreiche Konkurrenz von der Fassmer-Werft geguckt. Doch „Weserpappe“ ging schon beim Start unter und landete auf dem fünften Platz.

Bei der dritten Auflage der Pappbootregatta ging es für die meisten der 16 Teams allerdings um Punkte in Sachen Kreativität und nicht allein um Schnelligkeit. Über den ersten Preis freuten sich „Die Inklusiven“, die mit einer schwarz-weißen Konstruktion namens „Ursula die Kuh“ zum Paddeln gekommen waren.



Gleich im ersten Rennen schaffte es die Crew der Kuh-Konstruktion die beiden Schwanewederinnen Birgit Wendt und Laureen Czybona in ihrem schwimmenden Schwan „Schwantanika“ mit einer schnellen Zeit von 1,28 Minuten abzuhängen. „Für das nächste Jahr wissen wir jetzt, dass man keinesfalls die Außenbahn an der Brücke akzeptieren darf. Uns hat eine wahnsinnige Strömung fast aus dem Hafen getrieben,“ meinte Birgit Wendt bei der Siegerehrung. Diese Strömung würde auch die erheblichen Manövrierprobleme der „Nachtfalter“-Crew in Rennen zwei erklären, deren fantasievolle Insektennachbildung sich partout nicht um die Wendetonne paddeln lassen wollte.

Geradezu als Speedboot präsentierte die Frauen-Crew vom und im „Horizont“ ihr sonnengekröntes Boot. Ihre Zeit von 1,04 Minuten blieb bis zum Ende ungeschlagen, „Nachtfalter“ kam aber Dank seiner Schönheit noch auf den zweiten Platz.



Davon gab es diesmal gleich zwei und so gesellte sich auch noch ein Drache zu dem Insekt: „Dragon’s Fog“ konnte dank Pyrotechnik zumindest kurz sogar Feuer und Rauch speien. Das Drachenboot voller Wikinger vom Nebelthau-Gymnasium in Lesum ist das Ergebnis einer AG, die an der Privatschule mit viel Elterneinsatz extra für die Regatta gegründet worden ist. „Wir hatten nicht den Mut, den Drachen schon vorher ins Wasser zu lassen und haben stattdessen auf dem Grambker Sportparksee bei Wind und Regen mit dem Schlauchboot das Paddeln geübt“, berichtete Claudia Jendroschek, die als Mutter mit coachte. Mit ins Boot durfte jeder – einzige Voraussetzung für die Fünft- bis Achtklässler: Man muss schwimmen können.

Zusammenarbeit mit Haven Höövt

Im optisch schönsten Lauf hatten die trainierten Wikinger den Drachenkopf vor der Fantasie-Konstruktion des E-Teams. Allerdings ließ sich das Boot aus voller Fahrt am Ende nur noch durch den Steg stoppen. Die Regatta-Organisatorinnen Birgit Benke und Kirsten Baumgart vom MTV waren entzückt von der Begeisterungsfähigkeit der Teams: „Unglaublich, wie viel Vorbereitung die Teilnehmer investiert haben,“ meinte Birgit Benke und freute sich über die Zusammenarbeit mit dem Haven Höövt: „Dadurch, dass wir die Bühne des Irish Folk Festivals benutzen durften, hatten wir natürlich plötzlich eine viel bessere technische Ausstattung als in den Vorjahren.“

So ließ sich der Dubliner John Barden gerne als „Einheizer“ vor der Siegerehrung engagieren und das Duo „Tús Nua“ (übersetzt: Tu es nur) nahm es locker, dass die verspätete Siegerehrung das Programm leicht durcheinander brachte. Adam Keating: „Programm? Wer hat hier ein Programm?“ Tatsächlich ließen Keating und sein bayerischer Gitarrenwiderpart Günther Lohmeier ein buntes Wünsch- Dir-Was zu: „Ich sage dann auch schon einmal, dass ich dies oder das irische Stück nicht kenne. Insgesamt geht es uns um einen Mix von Stücken und Stilrichtungen. Wir wollen die Leute schließlich nicht langweilen.“

22.45 Uhr: Die Bayernspieler liegen in der Verlängerung des Pokalfinals in Krämpfen auf dem Platz. „Tús Nui“ haben da eine ganz andere Kondition. Bis Mitternacht werden die Gitarren bearbeitet. Dafür haben die beiden dann wirklich Feierabend.