Udo Jendroschek, Vorsitzender des Schulelternrates, Vater von 4 Kindern, im Interview

Was ist Ihnen im Leben wichtig, Herr Jendroschek?

Menschliches Miteinander. Wir leben in einem komplexen Miteinander und sind darauf angewiesen, wertschätzend und respektvoll miteinander umzugehen. Man sagt dazu auch »Sozialkompetenz«, und darin findet sich das wichtige Wort Kompetenz. Das ist eine Art persönliche Ressource, eine Fähigkeit, die man vermitteln, pflegen und ausbauen kann. Nicht allein ein naturgegebenes Talent, das man entweder hat oder nicht hat.

Was sollte Schule Ihrer Meinung nach vermitteln?

Neben Wissen? Nun, den bewussten Umgang mit den eigenen Ressourcen, würde ich sagen. Und in der Folge dann auch die richtige Einschätzung der Möglichkeiten anderer Menschen – das hilft bei den Erwartungen an den Gegenüber. Zum Beispiel als zukünftige Führungskraft. Da sind wir wieder bei der Sozialkompetenz: Ohne die wird man nicht zurecht kommen im Leben, auch nicht als Manager.

Sie meinen, Schule sollte Führungskräfte ausbilden?

Was aus jedem einzelnen Kind wird, soll doch bitte dieser junge Mensch selber entscheiden. Aber ich bin schon der Meinung, dass Schule bestmöglich auf die Welt nach der Schule vorbereiten sollte. Nach der Schule kommt absehbar ein Leben in einem Beruf, in einer Familie und in der Gesellschaft, und die Kompetenzen dazu sollte die Schule vermitteln.

Wie sehen Sie diesen Anspruch beim Nebelthau-Gymnasium erfüllt?

In der Kombination des diakonischen Lernens, des mehrsprachigen Unterrichtes und im Schwerpunkt Wirtschaftsvermittlung. Die ausgewogene Kombination ist dabei das Wichtige. Die Sprachfähigkeit ist sozusagen das Werkzeug, damit man sich in dieser globalisierten Welt einfach bewegen kann. Der diakonische Gedanke vermittelt die grundsätzlich soziale Haltung gegenüber dem Mitmenschen. Und der Schwerpunkt Wirtschaft hilft, sich in der Wirklichkeit dieser Welt gut zurecht zu finden.

Worauf kann die Schule einen jungen Menschen vorbereiten – und was sollte man als Eltern übernehmen?

Ganz ohne Frage werden die Grundlagen für jede Lebenstüchtigkeit im Elternhaus gelegt. In der Schule findet dann die Differenzierung und die Förderung der individuellen Talente statt – wiederum unterstützt von den Eltern. Das sollte eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit sein zwischen dem Schüler, den Lehrern und den Eltern.

Funktioniert das hier am Nebelthau-Gymnasium?

Ja, auf jeden Fall. Die Eltern leben diese Schule mit. Die schauen, wo die Potentiale sind.

Damit meinen Sie nicht nur die Potentiale der Schüler?

Nein, ganz recht: Damit meine ich eine verantwortliche Haltung der Eltern gegenüber dem schulischen Leben, zum Beispiel in Form von Engagement im Schulbeirat. Kommunikation ist auch ein sehr wichtiges Thema. Das wird hier anders gelebt – besser.

Zwei Ihrer Kinder gehen aktuell aufs Nebelthau-Gymnasium. Wie gefällt ihnen das Lernen und das Leben hier?

Zwei unserer Söhne sind Schüler am Nebelthau-Gymnasium. Einer, der Älteste, besucht eine andere Schule. Alle kommen gut zurecht, aber für die Jüngeren kann ich sagen, dass es ihnen hier sehr gut gefällt. Es gibt hier eine besondere Zugewandtheit.

Wie äußert sich das?

Die Schule fördert die Kinder, weil sie auf ihre Persönlichkeitsstruktur eingeht. Sie werden hier gesehen. Jeder wird hier gesehen. Das ist mir wichtig, denn dieser Satz passt auch zu mir.

A propos fördern: Welche Erwartungen haben Sie an den Schwerpunkt »Wirtschaft« im Unterricht am Nebelthau-Gymnasium?

Wir müssen wirtschaften, weil die Summe aller menschlichen Bedürfnisse größer ist als die Ressourcen. Ich sehe das am Beispiel eines meiner Söhne und habe ihm das auch erklären können – und zwar anhand seines Zeitmanagements. Dabei kam heraus, dass er gar nicht für all die Sachen Zeit hatte, die er sich vorgenommen hatte, und dass er sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren muss.

Was ich damit sagen will: Wirtschaftsverständnis ist wichtig für den ganz normalen Alltag. Das fängt im Kleinen an. Und wenn Schüler das im Kleinen lernen, dann können sie es später auch auf größere Zusammenhänge anwenden. Das ist meine Erwartung: Dass Zusammenhänge hergestellt werden.

Wie wichtig ist mehrsprachige Kompetenz heutzutage für junge Menschen?

Sehr wichtig. Wir leben in einer globalisierten Welt – und selbst wenn wir nicht in die Welt hinaus gehen, kommt diese Welt zu uns. Wir sollten ihre Sprachen sprechen.

Hilft das bilinguale Konzept an dieser Schule bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen des modernen Lebens?

Ja, bestimmt.

Wie wichtig ist Ihnen der Aspekt des »diakonischen Lernens«?

Das ist, wie eingangs schon erwähnt, eine zentrale Kompetenz für jeden Schüler. Wenn sie überall mit Einsen durchmarschieren, dann macht sie das noch lange nicht zum Menschen. Menschliche Werte, die sind wichtig in der heutigen Zeit.

Was tun Sie beruflich?

Ich bin geschäftsführender Gesellschafter einer Kanzlei für Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung (JFS Gruppe) mit über 75 Köpfen in Bremen, Hamburg und Oldenburg.

Das Nebelthau-Gymnasium steht für einen besonderen Fokus auf bilinguales, wirtschaftsorientiertes und diakonisches Lernen – und für eine absolut verlässliche Ganztagsbetreuung. Warum sollte man diesen Versprechen glauben?

Das Leben besteht aus Treu und Glauben. Auch im Wirtschaftsleben. Man muss auch mal ein bisschen Vertrauen investieren, um zum Zuge zu kommen. Darüber hinaus kann ich nur sagen: Nach meinen Erfahrungen wird man hier nicht enttäuscht. Die Menschen hier halten ihr Versprechen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Jendroschek.