Nils Koerber, Vater eines Nebelthau-Schülers, im Interview

Herr Koerber, wie haben Sie eigentlich Ihre eigene Schulzeit erlebt? Waren Sie fleißig, erfolgreich, glücklich ...?

Nils Koerber: Meine eigenen „Schulzeiten“ waren auch in Bremen-Nord und ich wundere mich bis heute, warum meine Kinder so gerne zu Schule gehen und so gute Leistungen erbringen bzw. erbracht haben. Liegt vielleicht ja bei meinem Sohn am Nebelthau-Konzept, denn einen solchen persönlichen Rahmen habe ich nie kennen gelernt.

Für mich war Schule eher langweilig und zu Zeiten des klassischen Frontalunterrichts habe ich mich immer wieder gefragt, welche Inhalte ich denn nun später mal wirklich brauchen könnte?

Hat diese persönliche Schulerfahrung etwas mit der Wahl dieser Schule für Ihr Kind zu tun?

Nils Koerber: Die Entscheidung für das NG hat mein Sohn eigentlich allein gefällt, wenn wir die subtilen „Empfehlungen“ aus der Sicht als Eltern mal dezent beiseite lassen.

Ich persönlich habe an das inhaltliche Konzept und an die Akteure geglaubt und engagiere mich deshalb auch seit Jahren ehrenamtlich im Förderverein der Schule.

Wie würden Sie Ihre eigene Entwicklung von einem jungen Menschen zu einem Erwachsenen beschreiben?

Nils Koerber: Try and error. Möglichst viel ausprobieren, nicht immer innerhalb der „Leitplanken“ bleiben, sondern auch rechts und links außen neugierig suchen. Mit viel wohlwollender Förderung und Anerkennung konnte ich Selbstvertrauen gewinnen und meine eigenen Ressourcen entdecken. Diese Haltung kann ich auch gut bei vielen Lehrern im Nebelthau-Gymnasium wahrnehmen.

Wollten Sie jemals selber Lehrer werden?

Nils Koerber: Ich bin heute häufiger als Trainer und Coach unterwegs oder auch Gastdozent an Akademien und Universitäten. Das konnte ich mir als Jugendlicher nie(!) vorstellen und zugleich genieße ich heute den Austausch zwischen Theorie und Praxis.

Was machen Sie denn beruflich?

Nils Koerber: Ich bin Unternehmer und bundesweit als spezialisierter Berater unterwegs. Meine Ausbildungen waren als Betriebswirt klassisch kaufmännisch geprägt. In den letzten zehn Jahren sind dann Besonderheiten wie Mediation und systemisches Coaching hinzugekommen.

Was ist Ihnen im Leben wichtig?

Nils Koerber: Integrität, Klarheit und Offenheit. Leben und leben lassen. Neugierig auf Menschen und deren Sichtweisen.

Steht jungen Menschen heute die Welt offener als früher? Wie bereiten sie sich am besten darauf vor?

Nils Koerber: Dank moderner Technik und unkomplizierter, günstiger Reisemittel, gibt es ja kaum noch unerreichbare Ziele. Das ist wunderbar und lässt uns Menschen näher zueinander kommen. Früher gab es keine Billig-Fluglinien, kein Internet und ein grenzenloses Europa. Alles ist leichter und unkomplizierter geworden. Zumindest beim Reisen.

In Verbindung mit dem frühen Sprachunterricht und auch der Tiefe von Sprachausbildung am Nebelthau-Gymnasium sind meine Kinder heute viel fitter und nehmen anderen Sprachen mit Leichtigkeit auf. Na gut, das kann auch am Sprachtalent der Mama liegen.

Bilingualer Unterricht ist aus meiner Sicht heute unabdingbarer Standard einer guten Schule. Native Speaker bei den Lehrern gehören ebenso dazu.

Und dann bloß so schnell wie möglich raus. Auch in Form von internationalen Klassenfahrten oder besonderen Kursangeboten.

Was sollte Schule Ihrer Meinung nach vermitteln? 

Nils Koerber: Das allgemeine Wissen als Basis. Die Besonderheiten und Spezialitäten von Themen in der Tiefe nach Wahl in den höheren Klassen. Und immer im Bezug zum realen Leben. Was brauchen unsere Kinder später um ihren eigenen Weg gehen zu können? Wie können Konflikte intelligent und menschlich im Miteinander gelöst werden und wie kann ich meine Begabungen und Stärken erkennen und wachsen lassen?

Wir brauchen heute die Fähigkeiten die eigenen Soft-Skills zu verstärken und das Wissen diese auch später authentisch leben zu wollen und zu können.

Sehen Sie diesen Anspruch beim Nebelthau-Gymnasium erfüllt?

Nils Koerber: Besser als an jeder anderen Schule die ich kenne! Ob die Streitschlichter, die Pausen-Scouts, die vielfältigen Aktivitäten im sozialen Umfeld von Friedehorst, die diakonische Woche und das praktischen Arbeiten in sozialen Aufgaben. Dazu kommt der besondere, sehr persönliche Rahmen einer kleinen Schule und sehr motivierten Lehrern, denen die Bedürfnisse der Schüler und Eltern wichtig sind.

Eins Ihrer Kinder geht aktuell aufs Nebelthau-Gymnasium. Wie gefällt ihm das Lernen und das Leben hier?

Nils Koerber: Mein Sohn wollte nie eine andere Schule in Betracht ziehen und ist nun von der 5. Klasse an dort und steht kurz vor dem Abitur.

Welche Erfahrungen haben Sie und Ihr Kind mit dem Schwerpunkt „Wirtschaft“ hier beim Nebelthau-Gymnasium gemacht?

Nils Koerber: Im Rahmen der Praktikumsarbeiten und auch der Begleitung bei manchen Hausarbeiten wurde mir deutlich, wie tief und umfassend „Wirtschaft“ im Nebelthau-Gymnasium an unsere Kinder „transportiert“ wird und das halte ich für die spätere Entwicklung, unabhängig von der Berufswahl, für sehr bedeutsam.

Ohne das Verständnis für und von Wirtschaft, werden sich viele Zusammenhänge in Gesellschaften nicht deutlich abbilden lassen und Abhängigkeiten bzw. Verbindungen bleiben unsichtbar.

Sollte ein junger Mensch heute eher den „Faust“ kennen oder die Liste der Unternehmen im DAX?

Nils Koerber: Ich denke beides ist wichtig: Unsere Wurzeln der eigenen Kultur und zugleich die modernen Parameter im täglichen Umfeld und Kontext von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Was hat Goethe mit John Maynard Keynes zu tun? 

Nils Koerber: Das frage ich mich gerade auch und müsste googeln …

Noch einen zum Googeln: Was hat Beethoven mit Adam Smith zu tun?

Nils Koerber: Zumindest hatten die Herren eine überschneidende Lebenszeit und vielleicht hat sich ja sogar Beethoven mit seinem längeren Lebensalter von Smith bei seinen Kompositionen beeinflussen lassen? Wer weiß ...?

Wie wichtig ist mehrsprachige Kompetenz heutzutage für junge Menschen? Und woran machen Sie das fest?

Nils Koerber: Unsere Welt heute ist so klein geworden, Kulturen vermischen sich, Berufe werden immer internationaler und somit sind Sprachen eine extrem wichtige Grundlage für Entwicklung und Verständigung.

Hilft das bilinguale Konzept an dieser Schule bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen des modernen Lebens?

Nils Koerber: Ja. Uneingeschränkt. Ich würde es als Standard an allen Schulen etablieren.

Und wie wichtig ist Ihnen der Aspekt des „diakonischen Lernens“?

Nils Koerber: Das soziale Miteinander, die Einstellung und Lösungsbereitschaft in Konfliktsituationen, das Verständnis für mein Gegenüber, die Besonderheit von Gruppen und meine eigene Position darin – das zusammen ist ein wichtiger Garant für die Entwicklung von Persönlichkeit: Mich selbst und den anderen kennenlernen und verstehen wollen. Das ist eine der ganz wichtigen Säulen am NG und damit auch unverwechselbar zu vielen anderen Schulkonzepten.

Worauf kann die Schule einen jungen Menschen vorbereiten – und was sollte man als Eltern übernehmen? 

Nils Koerber: Die Familie, die Eltern sind und bleiben aus meiner Sicht immer mit Abstand die Nummer 1 in der Verantwortung für die Entwicklung ihrer eigenen Kinder. Schule kann und sollte einen wichtigen Beitrag dazu leisten. Nicht mehr und nicht weniger.

Und je älter ein Kinder wird und auf dem Weg zum jungen Erwachsenen ist, haben beide Teile, Eltern und Schule, auch die Aufgabe die Selbstverantwortung zu fordern und zu fördern.

Wovon profitiert Ihr Kind hier im Unterschied zu anderen Schulen?

Nils Koerber: Das Nebelthau-Gymnasium ist eine aus meiner Sicht sehr sichere und individuelle Schule. Hier gibt es einen „Raum“ für Entwicklung, der anderswo so nicht gegeben sein kann. Das hat auch etwas mit Größe zu tun und mit dem Konzept und den gelebten Werten.

Hat sich das Konzept der einheitlichen Schulkleidung bei Ihrem Sohn bewährt?

Nils Koerber: Absolut! Damit ist weniger „Wettbewerb“ der Marken vorhanden und es steht mehr der Mensch im Vordergrund. Zugleich ist es auch praktisch und „schont“ den restlichen Kleiderschrank.

Gab es mal eine Auseinandersetzung zu diesem Thema?

Nils Koerber: Ich kann mich an keine erinnern.

Hat Ihr Sohn irgend ein Fach am liebsten?

Nils Koerber: Deutsch und Philosophie zählen zu seinen Lieblingsfächern.

Hängt das mit dem Inhalt oder dem Lehrer zusammen?

Nils Koerber: Das steht teilweise auch in Verbindung mit den Lehrern, ist aber nicht das Fundament für die Sympathie gegenüber diesen Lerninhalten.

Wenn Ihr Sohn einmal den Nobelpreis gewinnen sollte – in welcher Kategorie am liebsten?

Nils Koerber: Das wird er selbst noch für sich heraus bekommen und dann über die Freude an seinen Aufgaben daran wachsen. Vielleicht bis zu einem Besuch in Stockholm. (lacht)

Was ist – für uns alle, aber speziell für die kommende Generation – die größte Herausforderung auf diesem Globus?

Nils Koerber: Miteinander, über alle Grenzen hinweg, die ganzheitliche Verantwortung für ein menschliches Miteinander zu leben.

A propos Verantwortung: Wie kann man diese Welt am ehesten bewahren, wenn man sich verantwortlich betätigen will – als politischer Mensch, als ökonomischer Mensch oder als religiöser Mensch?

Nils Koerber: Alle Facetten haben ihre Bedeutung. Nur mit einer Mehrdimensionalität werden wir uns selbst und andere besser verstehen und offen für Veränderungen sein.

Nach dem Ausflug in die weite Welt noch ein Wort zur Heimat: Ist Bremen-Nord ein guter Ort zum Lernen? Vielleicht auch zum Leben?

Nils Koerber: Na klar. Zum Leben sowieso, denn als gebürtiger Vegesacker Junge (noch im Hartmannstift geboren) liebe ich die etwas ruhigere und ländliche Struktur des Umlandes, und das Nebelthau-Gymnasium in seiner zentralen Lage ist mit dem ÖPNV oder Individualverkehr schnell und leicht zu erreichen.

Was können Sie anderen Eltern empfehlen, die vor der Wahl der weiterführenden Schule für ihr Kind stehen?

Nils Koerber: Einfach das NG besuchen. Unkompliziert einen Termin vereinbaren und idealerweise das Angebot einer Hospitanz für das Kind nutzen und diese Schule „live“ erleben.

Danach ist die Entscheidung eh gefallen. Für das Nebelthau-Gymnasium.