Aus der Praxis

Andrea Cheli

38 Jahre, Buchhalterin und Personalsachbearbeiterin

"Irgendwann mal etwas Ehrenamtliches zu machen, hatte ich schon länger vor, aber ich hatte keine Idee, was ich machen wollte und hatte auch Zweifel, ob das mit meinem Vollzeitjob vereinbar ist.
Als ich mich dann doch mal wieder mit dem Thema beschäftigt habe, bin ich über die Internetseite „Zeitweise“ auf das Kinderhospiz Jona gestoßen. Ich wusste bis dahin nicht, dass es auch einen ambulanten Kinderhospizdienst gibt. Als ich dann las, was dort gemacht wird, wusste ich, dass es das ist, was ich gerne machen möchte.
Ich habe vor ein paar Jahren in der Familie meines Mannes selber erlebt, was es bedeutet ein schwerkrankes Kind zu haben. Der ganze Alltag und die familiäre Situation wird durch die Krankheit bestimmt und Geschwister kommen dabei oft unbeabsichtigt zu kurz. Schon kurz nach Beendigung des Kurses bei  Jona habe ich eine Begleitung übernommen. Hierbei ging es um die Unterstützung der Mutter, die monatelang mit ihrer kranken Tochter im Krankenhaus verbracht hatte. 
Ich war meistens einmal die Woche bei der Familie und wir sind oft Spazieren gegangen oder haben mit dem Auto Einkäufe erledigt, die für die Familie mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht möglich gewesen wären.
Die Begleitung ging über ca. 9 Monate und gerade in den letzten Monaten gab es viele Höhen und Tiefen, die ich gefühlsmäßig mit der Familie miterlebt habe.
Leider ist das Mädchen vor ein paar Wochen verstorben. Dieser Tag war für alle sehr schwer, aber die Eltern haben mich sehr nah daran teilhaben lassen und so saßen wir noch zusammen bei ihrer verstorbenen Tochter und ich konnte mich verabschieden. Das war trotz aller Traurigkeit auch ein schöner Moment.
Ich habe die Zeit, die ich mit der Familie verbracht habe, trotz meiner  Arbeit nie als Belastung empfunden und ich bin dankbar, dass ich sie ein Stück auf ihrem Weg begleiten durfte. Ich habe für mich persönlich sehr viel aus dieser Begleitung mitgenommen und viele neue Erfahrungen gesammelt."