Aus der Praxis

Gabi Speichinger

60 Jahre, Fremdsprachenassistentin, jetzt im Ruhestand

"Bedingt durch die langjährige (14 Jahre) Krebserkrankung meines Ehemannes, den ich zu Hause bis zu seinem Tod pflegen und betreuen konnte,Gabi Speichinger und ihr Begleitkind bin ich dem Hospiz näher gekommen. Nach dem Tode meines Mannes im Dezember 2004 und nach geleisteter Trauerarbeit habe ich mich zur Ausbildung im ambulanten Kinderhospiz Jona entschieden. Seit Anfang 2007 begleite ich einmal wöchentlich einen kleinen 5jährigen Jungen.
Er lebt als Nachkömmling in einer Großfamilie mit vier weiteren Geschwistern. Die Mutter ist aufgrund der verschiedenen schweren organischen Erkrankungen ihres kleinen Sohnes stark überfordert, zumal dieses Kind an Hyperaktivität leidet.

Zu Beginn meiner Tätigkeit verschlossen sich schnell alle Möglichkeiten, dieses Kind zu beschäftigen. Es war nur schwer möglich, weder in den Räumen der Familie noch auf dem hauseigenen Spielplatz. Der Junge lief mir davon bzw. zerstörte ihm angebotene Spiele. Inzwischen haben wir einen zufriedenstellenden Weg gefunden: Wir können im eingezäunten Bereich seines Kindergartens spielen. Begleitkind von Gabi SpeichingerÜber Musik bzw. das Vorsingen und Mitsingen von Liedern gelingt es sogar, ein wenig Ruhe in den Alltag dieses kleinen Jungens zu bringen.
Ich begleitete ihn bis vor kurzem einmal wöchentlich zur Gymnastik, da er dort jedoch bereits Fortschritte erzielen konnte, bringe ich ihn nun zur ergotherapeutischen Behandlung. Während unserer Spaziergänge, bei denen ich seine Hand sehr fest umklammere, versuche ich ihm anhand geparkter Autos die Farben zu erklären. Seine Augen strahlen, wenn wir mit dem Auto fahren. Dieses Angebot kann ich jedoch nur machen, wenn ein weiterer Begleiter dabei ist, da er selbst im Fahrzeug nicht sitzen bleibt, sondern sich lossschnallt und Türen und Fenster öffnet.

Ich wünsche mir, dass mein Kommen seine Augen noch häufig strahlen lässt und er noch lange 'Gabi, Gabi' ruft, wenn er mich sieht und ich ihn in die Arme nehme."