Eine Reha in Friedehorst

Friedehorst war mir schon ein Begriff, allerdings nicht unbedingt als Rehabilitations-Klinik, sonders als großes Krankenhaus, das vor vielen Jahren sogar eine orthopädische Klinik anzubieten hatte. Dort war mein Mann vor über 20 Jahren wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt worden. Meine Hausärztin hatte für meine notwendige Rehabilitation auch andere Kliniken in größerer Entfernung ins Spiel gebracht. Doch für mich war Friedehorst erste Wahl, wegen der Nähe und weil ich mindestens eine ehemalige Patientin von dort aus meiner Firma kannte, die mit der Reha dort sehr zufrieden war.

Auch durch Ärzte aus der Familie und dem Bekanntenkreis erfuhr ich einiges Wissenswerte über das Angebot in Friedehorst, so dass ich mich letztlich leicht für den Aufenthalt dort entscheiden konnte.

So landete ich im Oktober 2016 in der neurologischen Rehabilitations-Abteilung in Friedehorst. Eine Früh-Reha im Krankenhaus Bremen-Ost über vier Monate hatte ich zu der Zeit bereits hinter mir und fühlte mich ängstlich wegen des anstehendes Schrittes, aber gut vorbereitet auf den Wechsel, der mich dem Alltag zu Hause noch näher bringen sollte. Eine weitere Phase in neuer Umgebung mit anderen Menschen um mich – Pflegekräfte, Therapeuten und Mitpatienten – begann.

Ich startete auf der Station D, wo nach Auskunft der dortigen Schwestern vor allem jene Patienten untergebracht wurden, die anfangs noch ein wenig mehr Hilfe brauchten. Ich dachte zu dem Zeitpunkt jedoch, man habe mir dort in einem der Zweibettzimmer ein Bett zugewiesen, weil auf der Station F, auf die ich mich eigentlich eingestellt hatte, kein Platz frei war.

Wie auch immer – auf Station F in einem Einzelzimmer landete ich etwa drei Wochen später. Die Einrichtung dort gefiel mir deutlich besser als auf Station D, man sieht dem ganzen Gebäude außen und innen an, dass es erst wenige Jahre alt ist, dass der Betrieb genau auf die Verwendung zugeschnitten ist. So fühlte ich mich dort von Anfang an sehr wohl. Die freundlichen Pflegekräfte trugen ein Übriges dazu bei. Auch die Therapeutinnen und Therapeuten wirken durchweg kompetent und an den Patienten interessiert. Die Ärztinnen und den Chefarzt sah man in erster Linie bei den wöchentlichen Visiten, wobei es immer die Möglichkeit gab, sie in ihren Büros oder zwischendurch auf den Fluren anzusprechen. Ich machte von diesen Möglichkeiten indes selten Gebrauch und hörte Ähnliches vielfach von anderen Patientinnen und Patienten. Für die meisten von uns spielten Schwestern und Therapeutinnen die Hauptrolle im Tagesablauf, bei den drei Mahlzeiten täglich im Speiseraum sowie bei den Anwendungen in verschiedenen Therapiebereichen, in der Physiotherapie, bei Ergotherapeuten, Psychotherapeuten und Logotherapeuten.

Es gibt in Friedehorst Einzel- und Gruppentherapien sowie Räume, in denen jeweils ein bis zwei Aufsichtspersonen die Arbeit der Patienten an Sport- und Fitnessgeräten überwachen. Diese Aufgabe übernehmen vielfach FSJler, also junge Leute, die nach der Schule ein freiwilliges soziales Jahr in einer Einrichtung absolvieren, bevor sie sich für ein Studium oder eine Berufsausbildung entscheiden.

Insgesamt erscheint mir die Anzahl der Pflege- und Therapiekräfte angemessen. Allerdings waren auch nicht alle Zimmer belegt, als ich dort war. So mögen sich zu anderen Zeiten andere Eindrücke ergeben. Auch spielt der unterschiedliche Pflegebedarf des Einzelnen sowie das individuelle Bedürfnis nach Zuspruch sicher eine entscheidende Rolle. Ich hatte das Glück, fast täglich nach Therapieende sowie an den Wochenenden Besuch zu bekommen. Meistens kam mein Mann, der mich in allem sehr unterstützt hat, hin und wieder meine Töchter, außerdem viele gute Freundinnen und Freunde. In den letzten Wochen meiner Therapiezeit ließ ich mich jedes Wochenende auf eigene Verantwortung beurlauben, um die Tage daheim zum Wiedereinleben zu nutzen.

Ich habe in Friedehorst unter den Patienten Menschen kennengelernt, die alleinstehend waren oder aus weiterer Entfernung kamen und deshalb gar keinen oder selten Besuch bekamen. Andere wiederum erhielten häufig Besuch. Es bildeten sich vielfach auf der Station F auch Patientengrüppchen, die sich zum Essen zusammensetzten oder in der Halle im Erdgeschoss die Sitzgruppen für gemeinsame Gespräche nutzten. Einige Kontakte sollten sich über die gemeinsame Reha-Zeit hinaus erhalten.

Ich glaube, es ist hilfreich für Menschen, die eine Reha in Friedehorst vor sich haben oder sie gerade beginnen, von jenen Patienten Informationen zu bekommen, die schon länger dort sind oder die Therapie bereits beendet haben. Ich habe deshalb angeregt, Erfahrungen von Patienten und ehemaligen Patienten auf der Homepage von Friedehorst zur Orientierung zu veröffentlichen.