Verschiedene Therapien

Es gibt verschiedene Therapieeinheiten in Friedehorst, die die Patienten voranbringen. Dabei hängt es von der Art der Erkrankung, dem Schweregrad der Beeinträchtigung und dem Sitz der Erkrankung im Gehirn ab, welche Behandlung für wen die geeignete ist beziehungsweise in welcher Kombination die verschiedenen Therapien am erfolgversprechendsten sind. Ich habe Mitpatienten kennen gelernt, die konnten sich beinahe so gut bewegen wie vor ihrer Erkrankung, aber ihr Sprechvermögen war leicht oder gar schwer eingeschränkt. Auf der anderen Seite gibt es Patienten, die wie ich - kaum oder gar keine Einschränkungen beim Sprechen haben, dafür aber starke Einschränkungen in der Fortbewegung oder beim Heben von Dingen haben. So ist meine komplette rechte Körperseite sehr stark betroffen. Ich muss das Gehen neu lernen, komme immer noch nicht ohne Vierpunktstütze voran und fange gerade erst an, die rechte Hand in Bewegungsmuster und Tagesabläufe einzubeziehen.

Dann muss ich mich immer daran zurück erinnern, wie weit ich in zehn Monaten seit meiner Gehirnblutung gekommen bin.

In den ersten Monaten in der Frühreha war mir in Aussicht gestellt worden, ich könnte mich freuen, wenn ich eines Tages kurz aus dem Rollstuhl aufstehen und am Stock wenige Schritte bis zum Waschbecken oder ins Bett zurücklegen könnte. Zunächst hatte mich diese Aussicht furchtbar hinuntergezogen, doch dann zog ich daraus auch einen Teil des Antriebs, um viel viel weiter vorankommen zu wollen. Ich habe in diesem Willen bis heute extrem wichtige Unterstützung durch meine Familie, vor allem durch meinen Mann erhalten.

Ich habe gelernt (oder bin noch dabei), mich in Geduld zu üben, wo es angebracht ist. Es gilt, auch kleine Schritte des Vorankommens wahrzunehmen und niemals nachzulassen. Ich bin immer noch dabei, das Gehen wieder zu lernen, das Bewegen der rechten Hand auch.

Für diese Weiterentwicklung ist die Kombination aus Physio- und Ergotherapie extrem wichtig, habe ich festgestellt. So habe ich in den ersten Wochen der Reha in Friedehorst eine Beinorthese für den rechten Unterschenkel erhalten, die mir das Gehen erleichtert. Durch die lange Zwangspause sind Nerven und Muskeln geschädigt und dazu untrainiert. Die Orthese ermöglicht nun das Gehen, weil sie das Bein unterstützt, die erforderlichen Bewegungen zu machen. In der Physiotherapie haben wir mit dem Stehen und Gehen angefangen. Vorweg ging es schon um das Reizen und Aktivieren der verschieden Muskeln in Rumpf und Beinen, die am Ende das Gehen durch ihr Zusammenspiel ermöglichen.

Der Arm wiederum wird vor allem in der Ergotherapie angeregt. Auf Dehnübungen, regelmäßiges Strecken und spielerische Ansätze zum Nutzen der Hand und des gesamten Arms folgen seit den ersten Wochen immer wieder Übungen, bei denen die Hand beispielsweise eine Plastikflasche anhebt und absetzt, Ellenbogen und Schultergelenk durch das Drehen in verschiedene Richtungen angeregt werden, sich zu dehnen oder zusammen zu ziehen. Dabei ist der gesunde Arm oft der Taktgeber. Das ist ein oft mühseliger und langer Prozess.

Ich selbst habe im Lauf der Therapie sehr viel über das Zusammenwirken von Muskelgruppen und Nervenbahnen im Körper erfahren, über die man als gesunder Mensch niemals oder höchst selten nachdenkt. Insofern hat mich die Therapie, die ich derzeit ambulant fortsetze, bereichert. Doch ich muss zugeben, dass ich auf diese Bereicherung gern verzichtet hätte, wenn ich stattdessen einfach so gesund geblieben wäre, wie ich es vor der Gehirnblutung war.