Maßnahmen

Medizinische Rehabilitation

1. Frührehabilitation (Phase B) 
Nach Stabilisierung von Atmung und Kreislauf ist eine frühzeitige Übernahme aus den Akutkliniken am Ende der Postakutphase möglich. Trachealkanüle, liegender Venenkatheter, Magensonde, Blasenkatheter oder ein intensiver neurologischer Überwachungsbedarf sind kein Hindernis für die Aufnahme.

Inhalt: Umfassende Diagnostik und anschließende therapeutische Maßnahmen Rehabilitative Pflege, Krankengymnastik, Steh- und Gangtraining, Ergotherapie, Logopädie, Musiktherapie, Neuropsychologie, Heilpädagogik, sowie ganzheitliche rehabilitative Pflege nach individuellem Bedarf bewirken eine langsame Stabilisierung des jungen Menschen in dieser Phase.

Ziel: Erreichen der Mobilisierung und somit der Phase C.

2. Frühmobilisation (Phase C) 
erfolgt nahtlos im Anschluss an eine Frührehabilitationsbehandlung oder zu einem späteren Zeitpunkt, wenn länger als zwei Monate nach Schädelhirnverletzung oder neurologischer Erkrankung noch folgende Symptome bestehen:

  • hirnorganisches Psychosyndrom mit Störungen von z.B. Orientierung, Gedächtnis und Antrieb oder Konzentrationsmängeln und Merkschwäche
  • Lähmungen und Koordinationsstörungen
  • Sprachstörungen
  • vegetative und vasomotorische Dysregulation, verminderte körperliche Belastbarkeit
  • psychoreaktive Störungen (Depression, Agitiertheit, Affektlabilität, Stimmungsschwankungen)

Inhalt: Zu diesem Zeitpunkt werden zunehmend die Kommunikation in der Peer-Group für die weitere Motivation in der Rehabilitation wichtig und das jeweils altersadäquate therapeutische Milieu auf den einzelnen Stationen.
Bei Neuaufnahme erfolgt eine umfassende Diagnostik in allen Fachbereichen (siehe Frührehabilitationsbehandlung). Neben den o.g. Therapien kommen weitere Angebote der Neuropädagogik, Sozialtherapie und Arbeitstherapie hinzu. Zusätzlich zu den funktionellen Einzeltherapien nimmt die Behandlung in Kleingruppen (ADL-Training, Sozialtraining usw.) einen neuen Stellenwert ein.

Ziel: Hinführung zur Gruppenfähigkeit, Erreichen der Phase D.

3. Anschlussheilbehandlung/Anschlussrehabilitation (Phase D) 

Inhalt: Nach ausführlicher Diagnostik in allen Fachbereichen wird der Therapieplan kontinuierlich dem Heilungsverlauf und der Belastbarkeit des Rehabilitanden angepasst. Neben den notwendigen individuellen funktionellen Einzeltherapien kommen zur Belastbarkeitssteigerung und Motivationsstärkung Therapieangebote in Gruppen hinzu. Die Inhalte sozialtherapeutischen Trainings, der Neuropädagogik und arbeitstherapeutischer Angebote treten je nach Alter der Patienten zunehmend in den Vordergrund.

Ziel der Behandlung ist die Reintegration in die Schule, die Ausbildung oder den Arbeitsprozess.

4. Schwerpunktbehandlungen
Neben der ganzheitlichen umfassenden Rehabilitation frisch verletzter oder erkrankter Patienten sind auf Funktionsstörungen fokussierte, interdisziplinäre Schwerpunktbehandlungen möglich:

Schwerpunkt Neurokognition   Training von Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis, Orientierung, Reaktions- und Koordinationstempo; Überprüfung der neuropsychologischen Voraussetzungen der Fahreignung (Wiener Reaktionsgerät, Wiener Determinationsgerät). PC-gestützte Trainings-programme (z.B. Rehacom, CogPack, Rigling, Aixtent), visuelles Explorationstraining (ELEX)
Schwerpunkt Aphasie  strukturiertes, modulares Training in Einzel- und Gruppentherapie
Schwerpunkt Verhaltens-modifikation   alltagsrelevante strukturgebende Intervention im Rahmen eines interdisziplinären therapeutischen Milieus (Pflege, Pädagogik, Neuropsychologie, Sozialpädagogik, Sporttherapie), z.B. Bezugsbetreuung, videounterstützte Verhaltensmodifikation in der Kleingruppe, sozialpädagogische Medienwerkstatt, Photolabor, Internet-Gruppe, Theater-Werkstatt, Musiktherapie, kreatives Gestalten
Schwerpunkt Selbstständigkeit  interdisziplinäre Therapie alltagsrelevanter Selbstpflegedefizite; Entwicklung von Fähigkeitsprofilen; lebenspraktisches Selbsthilfetraining, Haushaltstraining, Training sozialer Kompetenzen , Bewerbungstrainig, Wohntraining, Orientierungstraining alltagsorientiertes Gruppentraining
Schwerpunkt Mobilität  Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage, Aquatherapie, Laufband, Gangtrainer, Motomed, Kletterwand, Sportangebot, Psychomotorik, Muskelaufbautraining, physikalische Therapie, Hippotherapie, Spastik-Behandlung mit Botulinum-Injektion und redressierendem Gipsen, Orthesenanpassung, Rollstuhltraining
Schwerpunkt postoperative Rehabilitation von CP-Patienten 

medizinische Rehabilitationsmaßnahme nach §40 SGB V über 6–10 Woche, vollstationär oder teilstationär Aufnahme 6-10 Wochen nach der Operation nach Ende der Immobilisationsphase mit abgeschlossener Wundheilung und belastungsstabilen Frakturen

Rehabilitationsziele:

  • postoperative Mobilisierung und Vertikalisation
  • Erarbeitung der Gelenkbeweglichkeit
  • Auftrainieren der Muskelkraft
  • Stehen und Gehen
  • Verbesserung der lebenspraktischen Selbstständigkeit
  • Aufrechterhalten des schulischen Leistungstandes

Therapieorganisation:

Pflege  Training der lebenspraktischen Selbsständigkeit, Unterstützung des Mobilisierungsprogramm, Überprüfung/Anpassung der Orthesenversorgung
Krankengymnastik motorisches Übungsprogramm, Motomed, Bewegungsschiene, Standing, 5 mal 90 Minuten pro Woche
Ergotherapie Normalisierung des Muskeltonus im Rumpf, Unterstützung des Mobilisierungsprogramms
Sozialpädagogik psychosoziale Stützung und Rekreationstherapie;
Neuropädagogik:  Sichern des schulischen Leistungsstandes

Daneben erfolgen orientierende logopädische und neuropsychologische Untersuchungen. Bei entsprechendem Therapiebedarf kann nach der postoperativen Mobilisationsbehandlung eine weitere medizinische Rehabilitationstherapie im NRZ angeschlossen werden.