Therapien

Neuropsychologie

Neuropsychologische Diagnostik umfasst 3 Phasen:

1. Ziel des ausführlichen Erstgespräches ist es, Informationen über Schul- und Berufslaufbahn, besondere Fähigkeiten, Ziele und Wünsche, Vorlieben und Hobbys vor dem Unfall oder der Erkrankung zu erhalten. Darüber hinaus wird exploriert, inwiefern dem Patienten besondere Schwierigkeiten in Folge des Unfalls/der Erkrankung aufgefallen sind. Kann er sich genauso gut konzentrieren wie vor dem Unfall, sind spezifische Gedächtnis- oder Sprachbeeinträchtigungen aufgefallen, fühlt er sich niedergeschlagen usw. Diese Informationen dienen dazu, genauer zu bestimmen, ob und in welchem Umfang eine neuropsychologische Testuntersuchung notwendig ist und welche Fragestellung diese beantworten soll.
2. Neuropsychologische Testuntersuchung: die neuropsychologische Testuntersuchung dient einer objektiven Überprüfung spezifischer kognitiver Funktionen wie Aufmerksamkeit, visuelle Wahrnehmung, sprachliches und nicht-sprachliches Lernen und Erinnern, Planen und Problemlösen, logisches Schlussfolgern unter einer bestimmten Fragestellung. Zumeist steht im Mittelpunkt der Untersuchung die Überprüfung, ob Beeinträchtigungen kognitiver Funktionen vorliegen und welche Funktionen eine ausführliche Therapie benötigen. Andere Fragestellungen sind z.B. eher eignungsdiagnostischer Art: Welche Schule soll der Patient besuchen, in welche Richtung sollte eine berufliche Ausbildung gehen....
In der neuropsychologischen Testuntersuchung können eine Vielzahl von Testverfahren angewandt werden. Testverfahren zeichnen sich dadurch aus, dass sie standardisiert sind, d.h. jeder Patient erhält die gleiche Anleitung und die Leistung wird mit den gleichen (festgelegten) Kriterien bewertet. In der Regel darf von Seiten des Therapeuten nicht geholfen werden und es darf auch keine Rückmeldung gegeben werden, ob eine Antwort richtig oder falsch war. Die Leistungen werden dann mit den Leistungen einer altersangemessenen Normgruppe verglichen, so dass bestimmt werden kann, ob die gezeigte Leistung noch innerhalb einer bestimmten Spannbreite (der Norm) liegt oder aus dieser herausfällt. Erst wenn eine Leistung im Vergleich zur Norm und im Vergleich zu den anderen Funktionsbereichen auffällig ist, wird von einer Beeinträchtigungen für den kognitiven Funktionsbereich ausgegangen.
3. Das Auswertungsgespräch dient dazu, die Ergebnisse der neuropsychologischen Testuntersuchung mit dem Patienten zu besprechen, mit der Selbstwahrnehmung des Patienten zu vergleichen, Ziele für die weitere Behandlung zu planen und die emotionale Befindlichkeit zu erfassen.

Funktionstherapie
Unter Funktionstherapie versteht man die Verbesserung kognitiver Funktionen durch wiederholtes Bearbeiten von Aufgaben, die mit der gestörten Funktion in Verbindung stehen. Diese Therapieform wird überwiegend bei Aufmerksamkeitsstörungen und Beeinträchtigungen der visuellen Verarbeitung eingesetzt. Als Material werden Papier- und Bleistiftverfahren und spezielle Computertrainingsprogramme eingesetzt.

Kompensationstherapie
Eine Verbesserung komplexer kognitiver Funktionen – insbesondere Lernen, Erinnern und Problemlösen – kann überwiegend nur über die Vermittlung von Kompensationsstrategien erfolgen. D.h. neue Verhaltensweisen müssen erlernt werden, um mit den bestehenden Schwierigkeiten umgehen zu können. So kann es notwendig sein, bei Störungen des autobiografischen Gedächtnisses ein Gedächtnistagebuch oder elektronische Memorierungstechniken einzusetzen.
Es werden zwei  Arten von Kompensationsstrategien unterschieden:
1) Interne Kompensationshilfen sind Methoden, die der Patient erlernt, um durch eine bewusste Veränderung von Denkprozessen bekannte Einschränkungen auszugleichen. Hierzu zählen z.B. Memorierungstechniken bei Gedächtnisstörungen. 2) Externe Kompensationshilfen sind Hilfsmittel, durch die Beeinträchtigungen gemindert werden. Der Einsatz eines Gedächtnistagebuches, das Erlernen von Handlungsroutinen (Schlüssel immer an die selbe Stelle legen) bis hin zu elektronischen Hilfsmitteln zählen zu dieser Behandlungsmethode.

Verhaltenstherapeutische Interventionen bei Störungen der Verhaltenssteuerung und –kontrolle
Impulsives, aggressiv-enthemmtes, aber auch stark antriebsgestörtes und wenig motiviert wirkendes Verhalten zählen zu häufigen Symptomen schwerer Hirnschädigungen. Diese Verhaltensstörungen lassen sich häufig nur durch gezielte verhaltenstherapeutische Interventionen (Verstärkerprogramme, Chaining, Shaping, Diskriminationslernen) beeinflussen. (Literatur: Erdmann & Heindorf, 2000).

Psychotherapeutische Interventionen bei Störungen der Krankheitsverarbeitung
Viele Patienten leiden unter ihrer veränderten Lebenssituation. Dieses wird vor allem dann von besonderer Bedeutung, wenn die angestrebte schulische oder berufliche Perspektive nicht mehr möglich ist. Durch anerkannte psychotherapeutische Interventionen aus der Verhaltens- und Gesprächspsychotherapie werden realistische Ziele entwickelt und Probleme im Umgang mit der veränderten Lebenssituation verarbeitet. Im Zuge einer Schädigung kann es zur sekundären Entwicklung psychiatrischer Symptome kommen, die den weiteren Rehabilitationsverlauf gefährden. Zur Behandlung derartiger Störungen (z.B. Angststörungen) werden etablierte psychotherapeutische Behandlungsmethoden eingesetzt mit dem Ziel, eine Weiterführung der Rehabilitationsbehandlung zu ermöglichen. Gleiches gilt für prämorbid bestehende psychiatrische Probleme, wenn sie sich auf den Rehabilitationsverlauf auswirken.

Angehörigenberatung
Angehörige sind zumeist mit der schweren Erkrankung stark überfordert. Sie haben viele Fragen und sind im Umgang mit dem Patienten stark verunsichert. Durch gezielte Beratung der Angehörigen werden Informationen vermittelt und Wege für einen verbesserten Umgang mit den Patienten und der insgesamt veränderten Lebenssituation aufgezeigt. Bei der Angehörigenberatung steht überwiegend der Rehabilitand im Mittelpunkt. Eine gezielte psychotherapeutische Behandlung von Angehörigen ist nur außerhalb der Rehabilitationsmaßnahme möglich.

Unterstützte Kommunikation ist die Anbahnung von Kommunikationsmöglichkeiten bei nicht-sprechenden Patienten überwiegend der Frührehabilitation. Durch Anwendung körpernaher und / oder technischer Hilfsmittel wird versucht, einen Kommunikationscode (z.B. Ja-Nein-Code) zu etablieren, über den ein Patient sich mitteilen kann. Dabei müssen zunächst die individuellen Fähigkeiten eines Patienten identifiziert  und anschließend systematisch ausgebaut werden, um eine verlässliche Kommunikation zu erreichen. Beispiele für Kommunikationscodes sind: Handzeichen, Tasten, Buchstabentafeln und komplexere Kommunikationsgeräte wie z.B. der Powertalker®. Eine Vorstufe der Kommunikationsanbahnung ist dabei die Interaktionsanbahnung, bei der es zunächst um die Etablierung motorischer Reaktionen geht, mit Hilfe derer ein Patient Einfluss auf die Umwelt nehmen kann.

Entwicklung und Evaluation neuer Therapieverfahren
In der neurologischen Rehabilitation treten viele unterschiedliche Störungsbilder allein oder in Kombination auf, so dass einzelne Patienten nicht mit den vorhandenen oder kommerziellen Verfahren therapiert werden können. Hier werden individuelle Therapiematerialien oder Computerprogramme entwickelt, über die spezifische Störungsbilder auch unter besonderen Bedingungen therapiert werden können. So ist es z.B. notwendig, bei motorisch schwerer betroffenen Patienten Methoden zu entwickeln, wie Aufgaben mit nur einer Taste und eigenständig bewältigt werden können. Andere Patienten benötigen eine speziell auf ihre Verlangsamung oder Seheinschränkung angepasste Methodik usw...

Gutachtenerstellung
Erstellung versicherungs-, rentenrechtlicher und gerichtlicher Zusatzgutachten zur Feststellung kognitiver, emotionaler und verhaltensbezogener Beeinträchtigungen in Folge von Hirnschädigungen.