Friedehorst Logo

Unterstützende und flankierende Maßnahmen

Bei uns werden Sie während einer Rehabilitationsmaßnahme umfassend und individuell begleitet.


Unterstützenden Maßnahmen erfolgen zeitgleich zur beruflichen Rehabilitation bei uns im Haus.

Dazu zählen:

  • neuropsychologische Funktionsdiagnostik und -therapie
  • psychotherapeutische Betreuung
  • umfassende neurologische Beratung
  • sozialer begleitender Dienst / soziale Beratung
  • weitere Therapien (Ergotherapie, Physiotherapie, Logopädie, Hippotherapie usw.)

Neuropsychologische Funktionsdiagnostik und Therapie

Durch Erkrankungen des Nervensystems werden sensomotorische und kognitive Funktionseinschränkungen hervorgerufen. Um gezielt eine berufspädagogische Intervention zu setzen, ist es notwendig die Funktionsstörung zu evaluieren und zu definieren sowie den Effekt der berufspädagogischen Intervention zu dokumentieren (Verlaufsdiagnostik). Dieser Prozessablauf ist wesentlicher Bestandteil unseres Rehabilitationsprogrammes.

Der neuropsychologische Dienst erfüllt in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Berufspädagogen und dem Sozialdienst folgende Aufgaben:

Erstellung eines kognitiven Funktionsprofils

Obligate Untersuchung von:

  • Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Gedächtnis (kurz- und mittelfristige verbale und figurale Merkfähigkeit, Arbeitsgedächtnis)
  • Exekutive Funktionen (logisch-schlussfolgerndes Denken, Handlungsplanung)
  • Allgemein- bzw. Wortwissen
  • Zahlenverarbeitung und Rechnen

Fakultative Untersuchung von:

  • Gesichtsfeld
  • Neglekt
  • Visueller Objekt- und Raumwahrnehmung
  • Sprache

Sonstige Aufgaben:

  • Beteiligung an der Erstellung eines Berufseignungs-Profils
  • Erfassung von verhaltensbezogenen und emotionalen Leistungsvoraussetzungen sowie der psycho-physischen Belastbarkeit
  • Neuropsychologische Funktionstherapie (u.a. auch Hilfestellung bei effizientem Einsatz personenbezogener Ressourcen und Unterstützung bei Einsatz effizienter Kompensationsstrategien)
  • Förderung einer angemessenen Eigenverantwortlichkeit und Entscheidungsfähigkeit
  • Unterstützung im Umgang mit den krankheitsbedingten veränderten Leistungsvoraussetzungen

Aufgabe der Neuropsychologie ist die genaue Erfassung von Art und Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigungen sowie der vorhandenen Stärken mit Hilfe modernster computergestützter, wissenschaftlich fundierter Testverfahren.

Das Training der beeinträchtigten kognitiven Funktionen findet im Einzelsetting sowie in kleinen Gruppen statt. Ziel des Trainings und der psychologischen Begleitung des Rehabilitatonsprozesses ist, gemeinsam mittels Papier- Bleistiftverfahren oder computergestützter Verfahren mit den Berufspädagogen, dem sozialen begleitenden Dienst und den Angehörigen eine größtmögliche Selbstständigkeit bei der Wiederaufnahme der Berufsfähigkeit sowie die Bewältigung der Veränderungen in den Lebenssituationen zu erreichen.

Soziale Beratung

Die Beratungen für Rehabilitanden werden als Einzelgespräche angeboten, können auf Wunsch auch im Beisein der Angehörigen sowie der zuständigen Rehaträger geführt werden. Die Rehabilitanden erfahren hier individuell Informationen zu persönlichen, sozialrechtlichen und anderen sozialen Fragen. Neben der Klärung aktueller Fragen zum Rehabilitationsverlauf spielt die Vorbereitung der Rehabilitanden auf die Zeit nach der Entlassung aus der beruflichen Rehabilitation (Abklärung und gegebenenfalls Absicherung der Nachbetreuung) eine wichtige Rolle.

Aufgaben und Bestandteile des Sozialdienstes sind:

  • Aufnahmegespräche am 1. Tag der beruflichen Rehabilitation
  • Erfassen von Personalien und relevanten Daten der Rehabilitanden
  • Unterstützung und Beratung bei sozialrechtlichen und organisatorischen Fragestellungen, z.B. Anträge auf finanzielle Leistungen, Schwerbehinderung, etc.
  • Weitervermittlung bzw. Kontaktaufnahme zu weiteren Stellen (Sozialamt, Schuldnerberatung, etc.)
  • Unterstützung bei der Korrespondenz
  • Kontakte zu den Leistungsträgern, insbesondere bei formalen Fragen
  • Organisation flankierender Maßnahmen (Krankengymnastik/Physiotherapie, Ergotherapie, Sprachtherapie, Hippotherapie, physikalische Therapie)
  • Klärung der versichertenrechtlichen Verhältnisse der Rehabilitanden
  • Soziales Training Unterstützung bei der Lösung von Wohnungsproblemen (auch in den Appartements des Rehazentrums)
  • ADL zum Selbstständigkeitstraining
  • Ganzheitliches Gedächtnistraining
  • Außenkontakte zu Akutkrankenhäusern und Reha-Kliniken, insbesondere zu den dortigen sozialen Diensten, die in der Regel für die Weitervermittlung von Patienten zuständig sind
  • Ansprechpartner für diverse Anfragen zur Aufnahme, zur Kostenklärung und Ähnlichem
  • Organisation/ Kontaktaufnahme zu den Arbeitsagenturen, Rehateams (insbesondere der in der Region ansässigen) zwecks Berufsberatung
  • Konatktaufnahme zum Integrationsamt, wegen finanzieller Leistungen bei der Reintegration (Ausstattung eines Arbeitsplatzes, Zuschüsse an Arbeitgeber)
  • Kontakt zu den Integrationsfachdiensten (unterstützende Kontakte zu Arbeitgebern)
  • Arbeitsbegleitung in Kooperation mit den Berufspädagogen Kontaktaufnahme zu Arbeitgebern
  • Akquise von Praktikumsstellen
  • Betreuung der Rehabilitanden und der Betriebe während eines Praktikums
  • Beratung bei Problemen
  • Bewerbertraining: Erstellen einer schriftlichen Bewerbung
  • Begleitung bei der Stellensuche
  • Vorbereitung auf ein Bewerbungsgespräch
  • Nachsorge

Der neurologische ärztliche Dienst ist komplementär zur berufspädagogischen und neuro-psychologischen Rehabilitation. Durch fachärztliche Konsile durch einen in Sozialmedizin und neurologischer Rehabilitation erfahrenen Arzt wird die Beratung bei medizinischen Problemen sicher gestellt und genauere Abklärungen von komplexen Krankheitsbildern durchgeführt. Hinzu kommen Seminare und Vorträge über die Erkrankung und deren Folgen aus medizinischer Perspektive durch den neurologischen ärztlichen Dienst für die Rehabilitanden und deren Angehörige.

Im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung umfasst die ambulante fachärztliche Betreuung neurologische Kontrolluntersuchungen, Beratungen und Verordnung von Medikamenten-, Hilfs- und Heilmitteln. Ebenfalls im Rahmen der kassenärztlichen Versorgung kommen flankierende Maßnahmen zum Tragen.

Die Physiotherapie orientiert sich bei der Behandlung an den Beschwerden und den Funktions- bzw. Aktivitätseinschränkungen des Rehabilitanden, die in Form eines Befundes sichtbar gemacht werden. Sie nutzt primär manuelle Fertigkeiten des Therapeuten, gegebenenfalls ergänzt durch natürliche physikalische Reize (z. B. Wärme, Kälte, Druck, Strahlung, Elektrizität) und fördert die Eigenaktivität (koordinierte Muskelaktivität, sowie die bewusste Wahrnehmung) des Patienten. Die Behandlung ist an die anatomischen und physiologischen, motivationalen und kognitiven Gegebenheiten des Patienten angepasst. Dabei zielt die Behandlung einerseits auf natürliche, physiologische Reaktionen des Organismus (z. B. Muskelaufbau und Stoffwechselanregung), andererseits auf ein verbessertes Verständnis der Funktionsweise des Organismus (Dysfunktionen/Ressourcen) und eigenverantwortlichen Umgang mit dem eigenen Körper ab. Das Ziel ist die Wiederherstellung, Erhaltung oder Förderung der Gesundheit und dabei sehr häufig die Schmerz-Reduktion.

Nach der ärztlichen Verordnung werden eigenverantwortliche Behandlungspläne aufgestellt und durchgeführt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Schäden nicht nur „repariert", sondern auch der korrekte Bewegungsablauf als Ganzes im Auge behalten wird um Verletzungen gar nicht erst entstehen zu lassen.

Ziele der Physiotherapie sind darüber hinaus, Eigenständigkeit und Selbständigkeit der Rehabilitanden zu fördern und die Selbstheilungskräfte des Organismus zu aktivieren. Die weitest gehende Rückkehr zur Beweglichkeit ist ein zentrales Ziel der Physiotherapie in der neurologischen Rehabilitation.


Die Hippotherapie ist als Form des Therapeutischen Reitens eine Ergänzung zur Physiotherapie, bei der speziell ausgebildete Pferde eingesetzt werden. Hippotherapie ist eine Form der Krankengymnastik auf neurophysiologischer Basis. Das Therapiepferd wird als Medium verwendet, um Bewegungsimpulse auf das Becken des Menschen zu übertragen. Dabei sitzt oder liegt der Rehabilitand / die Rehabilitandin meist in der Gangart Schritt auf dem Pferderücken.

Ein heilender Effekt soll hier vor allem dadurch erreicht werden, dass sich der menschliche Körper auf die Impulse, die durch das sich bewegende Pferd verursacht werden, neu einpendeln muss. Dabei werden alle Bewegungsachsen sowie Torsionsbewegungen genutzt.

Rehabilitanden mit halbseitiger Lähmung (Cerebralparese) können ein Gefühl für ihre Körpermitte entwickeln. Rehabilitanden mit Gliedmassenschäden (Dysmelie) und folgender Verkrümmung des Stützapparates stabilisieren ihre Muskulatur, lernen korrigierende Haltungen und verhindern so auch Gelenkfehlstellungen. Zugleich wird die Muskelspannung (Muskeltonus) positiv beeinflusst; schlaffe Muskeln spannen sich an, spastische, also zu stark gespannte Muskulaturen, geben nach. Dadurch wird die gesamte Haltung vor allem des Oberkörpers geschult und das Balancegefühl verbessert.

Im Rahmen unserer begleitenden Maßnahmen erfolgt die medizinisch-therapeutische Behandlung unserer Rehabilitanden im Bereich der Sprache, des Sprechens, der Stimme, des Schluckens. Beeinträchtigungen dieser Bereiche sind u. a. die Begleitsymptome einer neurologischen Erkrankung.

Diagnostiziert und behandelt werden in Einzelsitzungen bei den Rehabilitanden:

  • zentrale Sprachstörungen
  • Störungen der Sprechmotorik inkl. der Phonation und der Sprechatmung
  • Störungen des Schluckaktes der unterschiedlichen Phasen

Die Sprachtherapeuten (Logopäden, Linguisten) sind für die Behandlung von Sprachstörungen (Aphasie) oder Sprechstörungen (Dysarthrie) und Stimmstörungen (Dysphonie, Aphonie) sowie Schluckstörungen (Dysphagien) zuständig. In der Therapie steht der unmittelbare Kontakt zwischen dem Rehabilitanden und dem Logopäden im Mittelpunkt, ergänzend werden z. B. PC-Programme eingesetzt.

Die Ergotherapie ist ein medizinisches Heilmittel und wird bei gesundheitlich beeinträchtigten Menschen mit motorisch-funktionellen, sensomotorisch-perzeptiven, neuropsychologischen, neurophysiologischen oder psychosozialen Störungen vom Arzt verschrieben.

Ergotherapie unterstützt unsere Rehabilitanden, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt oder von Einschränkung bedroht sind, bei für sie bedeutungsvollen Betätigungen mit dem Ziel, sie in der Durchführung dieser Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit in ihrer persönlichen Umwelt zu stärken. Hierbei dienen spezifische Aktivitäten, Umweltanpassung und Beratung dazu, dem Menschen Handlungsfähigkeit im Alltag, gesellschaftliche Teilhabe und eine Verbesserung seiner Lebensqualität zu ermöglichen.

Durch Verbesserung, Wiederherstellung oder Kompensation der beeinträchtigten Fähigkeiten und Funktionen wird den Rehabilitanden eine möglichst große Selbstständigkeit und Handlungsfreiheit im Alltag und am Arbeitsplatz ermöglicht. Neben geeigneten Übungen trägt der Einsatz von Hilfsmitteln dazu bei, dass die verbleibenden Fähigkeiten angepasst werden und so ein Optimum an Rehabilitation erreicht wird.

Eine ergotherapeutische Behandlung bei Menschen mit erworbenen Störungen des Zentralen Nervensystems beinhaltet zum Beispiel:

  • Hemmung und Abbau krankhafter Haltungs- und Bewegungsmuster und Erlernen und Üben normaler Bewegungen
  • Verbesserung der Verarbeitung von Sinnesreizen im Sinne einer Normalisierung der Reizempfindung, einer Filterung und Bewertung der empfundenen Reize, einer Normalisierung der Geschwindigkeit der Reizverarbeitung und der Normalisierung der Reizverarbeitung bis zu einer zweckmäßigen motorischen Antwort.
  • sensorische Integration
  • Behandlung von Störungen der Grob- und Feinbewegungen
  • Verbesserung von Gleichgewichtsempfindungen und der Gleichgewichtsreaktionen.
  • Verbesserung von neuropsychologischen Defiziten und Einschränkungen der geistigen Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Lese-Sinn-Verständnis, das Erkennen von Gegenständen oder das Erfassen von. Räumen, Zeit und Personen
  • Erlernen von Ersatzfunktionen
  • Entwicklung und Verbesserung der Fähigkeiten unter anderem in den Bereichen der Gefühlssteuerung, der Affekte oder der Kommunikation
  • Training von Alltagsaktivitäten im Hinblick auf die persönliche, häusliche und berufliche Selbständigkeit
  • Beratung bezüglich geeigneter Hilfsmittel und Änderungen im häuslichen und beruflichen Umfeld, eventuell Anpassung von Hilfsmitteln

Um die oben beschriebenen Ziele zu erreichen, greift die Ergotherapie auf verschiedene Behandlungsansätze zurück, wie zum Beispiel nach Anna Jean Ayres, Bobath/physiotherapeutische Methode, Affolter, Johnstone, PNF/physiotherapeutische Methode, Perfetti, Castillo Morales.

Die ergotherapeutische Behandlung in unserem Hause hat das Ziel, verloren gegangene Kompetenzen bei Alltagshandlungen wieder zu erarbeiten, damit die Rehabilitanden wieder einen größtmöglichen Grad an Selbstständigkeit erreichen können.