Freitagabend im Bodo-Heyne-Haus in der Bremer Neustadt:. Im Gemeinschaftsraum läuft Musik, Stimmen mischen sich, Bewohner:innen kommen zusammen. Es wird erzählt, gelacht und vielleicht auch schon über das nächste gemeinsame Vorhaben gesprochen. Es sind diese kleinen Augenblicke, die zeigen, was diesen Ort ausmacht: Das Bodo ist mehr als ein Gebäude. Es ist ein Zuhause.
Von A wie „aufregend“ bis Z wie „Zuhause“
Im Bodo leben über 50 Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Fähigkeiten und individuellem Unterstützungsbedarf. Die Unterstützung richtet sich nach den persönlichen Wünschen, Fähigkeiten und Zielen der Bewohner:innen. Sie teilen ihren Alltag, gestalten Gemeinschaft und zeigen jeden Tag aufs Neue, dass Teilhabe dort beginnt, wo Menschen gesehen, gehört und ernst genommen werden.
Was das Bodo-Heyne-Haus besonders macht, lässt sich kaum in wenigen Worten zusammenfassen. Vielleicht gelingt es am besten mit einem Alphabet, das Bewohner:innen und Mitarbeitende selbst entwickelt haben.
B wie besonders
Unser Haus und wir sind besonders, da wir uns in der Neustadt (stadtnah) befinden und zwei Personenkreise im Bodo leben: Zum einen Gruppe 1 mit Korsakow-Erkrankten (auch Suchthilfe genannt) und zum anderen drei Gruppen mit Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen. Wir sind außerdem das größte Haus außerhalb des Campus'.
M wie menschlich
Nichts Menschliches ist uns fremd.
Gerade in der Begleitung von Menschen mit Korsakow-Syndrom zeigt sich dieser Ansatz besonders deutlich. Durch langjährigen Alkoholmissbrauch und damit verbundene Schädigungen des Gehirns können Gedächtnisleistungen dauerhaft beeinträchtigt sein. Vor allem das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen, wodurch neue Informationen oft nur schwer gespeichert werden können.
Die Wohngruppe im Bodo-Heyne-Haus unterstützt die Bewohner:innen dabei, einen stabilen, abstinenten und möglichst selbstbestimmten Alltag zu gestalten.
Zum Angebot gehören Gedächtnistraining, psychosoziales Training, Sport, Musik und kreatives Gestalten. Auch gemeinsames Kochen, Backen und alltägliche Aufgaben im Haushalt sind wichtige Bestandteile. Sie schaffen Erfolgserlebnisse, stärken Selbstvertrauen und geben Struktur.
Dabei geht es darum, neue Möglichkeiten zu eröffnen und nicht den den Blick auf Schwierigkeiten zu richten.
N wie neugierig
Die Neugierde formt unser aller Wissen.
O wie Offenheit
Wir sind für Alles und Jeden offen.
P wie positiv
Positiv denken ist unser Motto.
Q wie Querulanten
Der Chef sagt wir sind Querulanten, ob dies stimmt, ist Ansichtssache.
R wie Ratgeber
Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite.
S wie Spaß
Seht euch die Bilder an …
T wie Tamtam
Jahaaaaa… wir machen viel Tamtam.
U wie unternehmungslustig
Wir machen jeden Unfug mit und natürlich auch jeden Nichtunfug.
V wie vielfältig
Besonders deutlich wird die Lebendigkeit des Hauses beim Buchstaben V wie vielfältig. Dieser eine Begriff beschreibt eine beeindruckende Anzahl an Angeboten und Möglichkeiten, sich einzubringen.
Im Bodo gibt es eine Vorsitzende des Gesamtbewohner:innen-Beirates, eine Frauenbeauftragte und die Barrierecheck-AG. Bewohner:innen nehmen an Mal- und Kreativgruppen teil, treiben Sport, spielen Theater, singen im Chor oder engagieren sich in Kochgruppen. Dazu kommen Schwimmen, Klettern, Fußball, Gedächtnistraining und regelmäßige Discoabende. Auch gemeinsame Veranstaltungen gehören fest zum Leben im Haus: Sommerfeste, Fasching, Filmabende und natürlich das gemeinsame Schauen von Werder-Spielen.
Viele dieser Angebote entstehen aus den Ideen und Interessen der Bewohner:innen selbst. Denn Teilhabe bedeutet vor allem, selbst mitzugestalten udn nicht nur, Angebote nutzen zu können.
W wie Wünsche
Wir versuchen jeden Wunsch zu erfüllen, dafür werden viele Hürden aus dem Weg geräumt.
Die Wünsche der Bewohner:innen werden gehört und ernst genommen.
X wie Xenophilie
Wir sind allen Fremden gegenüber aufgeschlossen.
Y wie Yin und Yang
Von allem etwas, im gesamten wunderschönen Bodo-Heyne-Haus.
Z wie Zuhause
Wir geben 53 Menschen ein Zuhause, auf Dauer und solange sie wollen.
Vielleicht ist das der wichtigste Begriff im gesamten Alphabet.
Ein Zuhause entsteht nicht allein durch Worte. Es entsteht durch Menschen, Begegnungen und durch eine Geschichte: Denn ein Zuhause ist mehr als ein Ort, an dem Menschen wohnen. Ein Zuhause bedeutet Sicherheit, Zugehörigkeit und das Gefühl, willkommen zu sein. Es bedeutet, Freundschaften zu schließen, Verantwortung zu übernehmen, eigene Entscheidungen zu treffen und Teil einer Gemeinschaft zu sein.
Diese Haltung prägt auch heute das Bodo-Heyne-Haus: Menschen werden nicht über ihre Einschränkungen definiert, sondern durch das gesehen, was sie ausmacht: ihre Fähigkeiten, Interessen, Wünsche und Persönlichkeiten.
Body Heyne steht für Verantwortung und ein Zuhause mit Raum für Gemeinschaft. Der Name des Hauses erinnert an den Bremer Theologen Bodo Heyne (1893-1980), einen Mitbegründer von Friedehorst und eine prägende Persönlichkeit der diakonischen Arbeit in Bremen.
Heyne war Pastor und langjähriger Geschäftsführer der Inneren Mission, einer kirchlichen Bewegung, die sich dafür einsetzte, Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten und praktische Hilfe zu leisten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war Heyne maßgeblich am Aufbau Friedehorsts beteiligt. Unter seiner Mitwirkung entwickelte sich die Einrichtung zu einem Ort, an dem Geflüchtete, ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und Kranke Unterstützung und ein Zuhause fanden.
Das Bodo-Heyne-Haus der Stiftung Friedehorst
Seit 2003 gehört das Bodo-Heyne-Haus zur Stiftung Friedehorst und liegt in der Bremer Neustadt, einem lebendigen Stadtteil mit kurzen Wegen und vielen Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben. Geschäfte, Cafés, Restaurants, Arztpraxen, Freizeitangebote und Werkstätten für Menschen mit Behinderung befinden sich in unmittelbarer Nähe.
In dem großzügigen Gebäude leben die Bewohner:innen in vier Wohngruppen. Drei Gruppen richten sich an Erwachsene mit kognitiven Beeinträchtigungen. Eine weitere Wohngruppe gehört zum Bereich Suchthilfe und bietet Menschen ein Zuhause, die infolge langjährigen Alkoholkonsums unter hirnorganischen Veränderungen leiden, dem sogenannten Korsakow-Syndrom.
Was ist das Korsakow-Syndrom?
Das Korsakow-Syndrom ist eine dauerhafte Schädigung bestimmter Hirnbereiche, die häufig durch langjährigen Alkoholmissbrauch entstehen kann. Es entwickelt sich häufig aus einer zunächst akuten Erkrankung, der sogenannten Wernicke-Enzephalopathie, die sofort behandelt werden muss.
Bleibt diese unbehandelt oder wird zu spät erkannt, können dauerhafte Gedächtnisstörungen entstehen. Besonders betroffen ist die Fähigkeit, neue Informationen zu speichern.
Was bedeutet das Korasakow-Syndrom im Alltag?
Menschen mit Korsakow-Syndrom profitieren von festen Strukturen, klaren Abläufen und einer wertschätzenden Begleitung. Im Bodo-Heyne-Haus werden Bewohner:innen dabei unterstützt, einen stabilen, abstinenten und möglichst selbstbestimmten Alltag zu gestalten. Zum Angebot gehören unter anderem:
- Gedächtnistraining
- psychosoziales Training
- Sport und Bewegung
- Musik und kreatives Gestalten
- gemeinsames Kochen und Backen
- Unterstützung bei alltäglichen Aufgaben
Dabei stehen nicht die Einschränkungen im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeiten, Interessen und persönlichen Möglichkeiten jedes einzelnen Menschen.
Im Bodo gibt es Orte für Gemeinschaft und für Rückzug
Die Räume sind so gestaltet, dass beides möglich ist: Gemeinschaft und Rückzug. Das barrierefreie Haus hat zwei Fahrstühle, Gemeinschaftsräume auf den Etagen sowie zusätzliche Angebote wie einen Bewegungsraum mit Fitnessgeräten. Die Bewohner:innen verfügen über eigene Zimmer mit kleinen Bädern, die individuell gestaltet werden können. Eigene Möbel, persönliche Gegenstände und Erinnerungsstücke sind ausdrücklich willkommen, denn Vertrautheit und persönliche Gestaltung machen aus einem Raum einen Ort, der sich wirklich wie Zuhause anfühlt.
Jede Wohngruppe hat eine Wohnküche und ein Wohnzimmer, in dem gemeinsam gegessen, gesprochen, gespielt oder einfach Zeit miteinander verbracht wird. Im Erdgeschoss befindet sich ein großer Gemeinschaftsraum, der für Feiern, Besprechungen, Fußballabende und gemeinsame Veranstaltungen genutzt wird. Direkt angrenzend liegt ein geschützter Innenhof mit einem kleinen Garten, den die Bewohner:innen selbst pflegen.
Das Bodo-Heyne-Haus zeigt, was gelebte Teilhabe bedeutet: Menschen nicht nur zu begleiten, sondern ihnen Raum zu geben, ihr Leben aktiv zu gestalten.
Die Verbindung aus professioneller Unterstützung, gegenseitigem Respekt, Engagement und einer großen Portion Humor macht das Haus zu einem besonderen Ort innerhalb der Stiftung Friedehorst.